  7.
Beispiele für Arbeitsplätze aus
jedem Dienst der Fundacion
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| 7.0 Beispiele
für Arbeitsplätze und Tätigkeit aus jedem Dienst der
Fundacion |
| 7.1 Jardín
Infantil y Sala Cuna NACIENTE |
| 7.2 Jardin
Infantil CRISTO VIVE in Renca |
| 7.3 Jardin
Infantil TIERRA DE NIÑOS in la Pintana |
| 7.4 Behindertenstätte
DIOS CON NOSOTROS |
| 7.5 AssistentIn
oder “der Bürozivi” von Schw. Karoline |
| 7.6 Berufsschule
EFPO/”CLOTARIO BLEST”: in der Tischlerei |
| 7.7 Poliklinik
Villa Mercedes in Renca |
| 7.8. CONSULTORIO |
| 7.9 Eventuell:
Einsatz in Bolivien |
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| 7.0
Beispiele für Arbeitsplätze und Tätigkeit aus jedem Dienst
der Fundacion |
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Die
folgenden Berichte sind kurze Erlebnisberichte der anwesendenVoluntarier
und es handelt sich um Beispiele. Es kann nicht garantiert werden,
dass diese Arbeitsplätze immer zur Verfügung stehen. Dies
hängt vor allem von der Kapazität und Nachfrage des jeweiligen
Dienstes ab.
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| 7.1
Jardín Infantil y Sala Cuna NACIENTE |
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Geschichte und Fakten
"En homenaje a nuestra hermana Karoline Mayer H.",
sind die Worte, eingemeisselt in die Gedenktafel, die im weitläufigem
Hof des Kindergartens aufgestellt ist. Im Dezember 1973 hat Schwester
Karoline mit Unterstützung deutscher Spender den Kindergarten
eröffnet - ihr erstes grösseres Projekt in den Armenvierteln
Santiagos. Schwester Karoline, die keine Ausbildung zur Kindergärtnerin
abgeschlossen hat, wurde von der Schwester Maruja beim Strukturieren
und der Einarbeitung des Personals mit Fachwissen unterstützt.
Heute ist Schwester Maruja die Leiterin der Einrichtung.
Der Kindergarten entstand aus einer einfachen Idee. Zur Zeit der Gründung
des Kindergartens, waren die Frauen von ihren Männern noch abhängiger
als heutzutage. Um sich eine eigene Arbeit zu ermöglichen fingen
die Frauen an, sich in kleineren Gruppen zusanmmen zu tun, um gegenseitig
auf ihre Kinder aufzupassen. So bestand der Kindergarten zuerst aus
einem kleinen Raum, in dem eine Erzieherin und eine Mutter auf die
Kinder aufpassten. Aus der Notwendigkeit heraus, mehr Kinder aufnehmen
zu können, wurde der Kindergarten langsam Raum für Raum
erweitert.
Dieser Gebäudekomplex existierte auch bis zum Neuaufbau, der
mit der Eröffnung im Oktober 2004 eingeweiht wurde. Die Alte
Sala Cuna, die den Namen “Casa Kappeln” trägt, und
ein anderer Gebäudeteil sind noch erhalten und lassen die einfache
Holzkonstruktion der vorherigen Gebäude mit wenigen Fenstern
noch erkennen.
Heute ist die Einrichtung in zwei Bereiche unterteilt: In die Sala
Cuna (Kinderkrippe) und ins Parvulo (Kindergarten). Schon durch die
Strasse, die zwischen den Gebäudekomplexen liegt, wird die Aufteilung
sichtbar.
Die Sala Cuna ist in vier Gruppen aufgeteilt die jeweils ihren eigenen
Raum haben. Zwei Räume werden durch einen Wickelraum verbunden.
Die Sala Cuna A verfügt über 20 Kinderkrippen, die in einem
grosszügigem Raum platziert sind. Die anderen Räume verfügen
über kleine Matratzen, die zum Mittagsschlaf im Raum verteilt
werden. Die Räume sind durch selbstgestaltete Wandbilder, einem
Thema entsprechend, geschmückt. Grosse Fenster, die auch im Dach
vorhanden sind, sorgen dafür, dass der Raum von Sonne durchflutet
wird. Kleine Stühle und Tische werden für Bastelarbeiten
und Mahlzeiten im Raum aufgestellt, bei schönem Wetter finden
diese Aktivitäten draussen statt.
Der Kindergarten ist etwa doppelt so gross wie die Sala Cuna. In ihm
befindet sich auch der Essraum des Personals, in dem jeweils in zwei
Schichten die Mahlzeiten eingenommen werden. Architektonisch ähnelt
der Kindergarten der Sala Cuna sehr. Die Dachkonstruktion der flachen,
gemauerten Gebäude besteht aus Blech. Die Dächer ragen soweit
über die Gebäudemauern hinweg, dass sie von einer Stahlkonstruktion
unterstützt Säulengänge bilden. Durch den frischen
Anstrich in sommerlichen Farben wirkt das Gebäude sehr freundlich
und kindgerecht. Im Kindergarten befindet sich die gemeinsame Verwaltung.
Betritt man den Kindergarten durch das Haupttor, gelangt man zur Rezeption,
die auch gleichzeitig als Telefonzentrale dient. Hier müssen
sich jeden Tag die Voluntarier ein- und austragen. Direkt dadrüber
ist das Büro der Educadoras, das der Direktorin liegt gleich
im Eingangsbereich. Besonders auffällig ist der grossräumige
Patio (Hof), in dem die Kinder die Möglichkeit haben sich auszutoben
und an besonderen Anlässen Feste stattfinden. Um den grossen
Hof platzieren sich die 8 Kindergärtenräume. Die Kinder
sind dem Alter nach ( von 2-5 Jahren) in die Räume aufgeteilt,
wobei eine Gruppe rund 30 Kinder misst. Im Aufbau gleicht ein Raum
dem Anderen: ein grosserer Sala in dem die zahlreichen Spielzeuge
untergebracht, der Hauptraum, mit Tür zum Bad, wo sich drei Wasc hbecken
und Toiletten befinden.
Insgesamt wird die Institution von 340 Kindern besucht, den Grossteil
machen die Kindergartenkinder aus. Das Personal, das sich um die Kinder
kümmert, ist verhältnismässig klein.
Jeder Raum hat mindestens eine Tia (Kindergärtnerin), so dass
21 Tias beschäftigt sind. Jede Educadora (Erzieherin) ist jeweils
für zwei Salas verantwortlich, insgesamt arbeiten 7 Educadoras
in der Institution.
Die Kindergärtnerinnen haben eine recht kurze Ausbildung, die
3 Jahre dauert und ihnen eine Basis für den Umgang mit Kindern
ermöglicht. Sie besteht aus 2 Jahren Schule und einem Praktikumsjahr.
Die Aufgabe der Educadoras besteht darin, Aktivitäten der Kinder
zu planen und somit einen pädagogischen Rahmen zu ermöglichen
– das Studium der Educadoras umfasst 4 Jahre.
Die Arbeit
In der Sala Cuna
“Um zu verdeutlichen, wie die Arbeit eines Voluntariers in der
Sala Cuna aussieht, werde ich nun den Tagesablauf beschreiben: Mein
Tag beginnt um 9 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt sind die Tias schon anwesend
und auch einige Mütter tummeln sich noch im Raum, um den Kindern
das Milchfläschchen zu geben. Die Kinder spielen die ganze Zeit
mit den Spielsachen, die man im Raum anfindet. Es werden auch individuelle
Aktivitäten unternommen, die zu einer guten Entwicklung des Kindes
beitragen, z.B. Laufübungen. In der Zwischenzeit werden alle
nacheinander gewickelt. Gegen 10.30 Uhr findet die Aktivität
des Tages statt, zu der sich dann alle gemeinsam vesammeln. Um 11Uhr
gibt es Mittagessen. Da die Babys in meiner Gruppe 3 bis 15 Monate
alt sind, können sie noch nicht alleine essen. Deshalb werden
sie von uns gefüttert. Und so landet das Essen dann schon gerne
einmal da, wo es nicht hinsoll, wenn die Kinder z.B. probieren auf
eingene Faust an die Löffel heranzukommen, die sich in den Essensschüsselchen
befinden. Langsam werden die meisten Kinder müde. Manche schlafen
auch gerne schon beim Essen ein. Vorm Schlafengehen werden alle wieder
gewickelt und umgezogen. Dann werden sie in ihr kleines Betten gelegt,
wo ihnen dabei geholfen wird einzuschlafen,z.B. durch über den
Rücken streicheln oder dadurch, dass man einfach eine Spieluhr
laufen lässt. Nun ist es auch Zeit für die Tias sich in
der Mittagspause zu stärken. Jeweils eine Tia bleibt immer im
Raum, um auf die Kinder aufzupassen.
Langsam wachen dann wieder alle auf und werden angezogen. Gegen 15Uhr
erhalten sie wieder ihr Milchfläschchen. Danach gehen wir oft
raus in den Hof, wo wir dann im Schatten der Bäume mit den Kindern
spielen, bis sie normalerweise um 16.30 Uhr von ihren Eltern abgeholt
werden. In dieser Zeit werden die Kinder wieder gewickelt und “ausgehfertig”
gemacht. Danach muss dann noch der ganze Raum aufgeräumt werden.
Manchmal gibt es am Nachmittag noch Versammlungen. Um 17.30 Uhr ist
Arbeitsschluss.
Das, was die Arbeit so schön macht ist einfach miterleben zu
können, wie sich die Kinder entwickeln. Gerade in den ersten
Lebensmonaten sieht man die Fortschritte besonders stark. Wenn die
Kinder ankommen, können sie noch nicht laufen. Und dann tapseln
sie unsicher durch die Gegend, manchmal auch zu überzeugt von
ihren eigenen Fähigkeiten, so dass schon manchmal eine Träne
getrocknet werden muss. Die Kinder finden es besonders schön,
wenn man sie in den Arm nimmt, sich einfach Zeit für sie nimmt.
Gerade die individuelle Beziehung zu jedem Kind ist in dieser Altersgruppe
besonders stark, weil sie noch nicht viel alleine können und
so auf einen angewiesen sind, der ihnen sie unterstüzt. Die Kinder
finden Musik besonders toll, so wird auch schon von anfang an dies
besonders durch Kinderkassetten, das Singen von Kinderliedern und
Tanzen gefördert.
Man übernimmt irgendwie schon etwas die Rolle einer Mutter, wenn
man sich um die Kleinen kümmert und deshalb befürchte ich
nun schon, dass ich zurück in Deutschland wohl unter “Babyentzugserscheinungen”
leiden werden. Sie wachsen einem wirklich sehr ans Herz, auch wenn
man manchmal das Weinen nicht mehr hören kann oder auch manchmal
die vollen Windeln satt hat. Aber alles in allem ist es wirklich eine
Arbeit bei der man besonders merkt wie wichtig man für die Kinder
ist und wie schön es ist den Charakter der einzelnen kennen zu
lernen. Eine wirklich schöne Erfahrung, die ich wirklich nur
weiterempfehlen kann, selbst zu erleben.
Im Jardin Infantil Naciente
Ebenso wie in der Sala Cuna beginnt der Arbeitstag des Voluntariers
um 9.00 Uhr. Wenn ich morgens meine Sala betrete sind die meisten
Kinder (3 bis 4-jährig) schon im Raum, spielen mit Puzzeln oder
kleinen Spielzeugautos, während die Tia am Eingang noch einen
kleinen Plausch mit einer Mutter hält. Kurz nach 9.00 Uhr beginnt
das Frühstück, die Kinder müssen ihre Spielsachen an
ihren Platz räumen und sich an die kleinen Tische setzten. Ich
verteile dann mit der Tia zusammen Brot und Milch und sporne die Kinder
mit einem “Toma de la leche!” (“Trink von der Milch!)
zum Austrinken an. Etwa um 9.30 Uhr steht dann das tägliche Zähneputzen
an; die Tia sitzt im Hauptraum und kontrolliert die Anwesendheit der
Kinder, während ich an die Kinder Zahnpasta im Bad verteile.
Nach dem Zähneputzen beginnt die “Actividad” , bei
der alle Kinder zusammen im Stuhlkreis sitzen und die Tia, mit meiner
Unterstützung, versucht den Kinder auf einfache Art etwas beizubringen.
Beispielsweise könnte das Thema des Monats “unser Planet”
lauten und die Tia möchte den Kindern näherbringen, dass
es verschiedene Länder und Sprachen gibt. So verdeutliche ich
es indem ich den Kindern “Guten Tag” beibringe und über
Deutschland erzähle. Ist die Actividad beendet, geht es mit der
Gruppe hinaus in den Patio. Hier können die Kinder mit Hula-Hup-Reinfen
spielen, schaukeln oder im Sandkasten Sand schaufeln – es gibt
erstaunlich viel Spielzeug, das den Kindern zur Verfügung steht.
Nach der halben Stunde im Patio kehren die Kinder wieder
in ihren Raum zurück und waschen sich, für das bevorstehende
Mittagessen, die Hände. Die Tia beaufsichtigt die Kinder dabei,
Ich sammele übriggebliebenen Kinder die noch im Patio herumstreunen
ein und fange danach an die Tische für das Mittagessen vorzubereiten.
Das Essen besteht aus einer vollwertigen Mahlzeit, aus einem Hauptgericht,
einem kleinen Salat und Nachtisch und wechselt täglich. Leider
sind die Kinder in diesem Alter doch noch sehr wählerisch und
so ist es nicht immer einfach die Kinder zum Aufessen zu animieren.
Hat man es dann doch geschafft und die Kinder haben auch das zweite
Zähneputzen hintersich, halten sie ihren Mittagsschlaf. Meine
Aufgabe ist es, die Matratzen mit Bettdecken zu überziehen und
auf dem Boden zu platzieren. Der ganze Raum ist nun mit kleinen blauen
Matratzen ausgelegt, auf denen die Kinder sich ungeduldig hin- und
herwälzen, die Tia und Ich fangen dann an uns zu besonders unruhigen
Kindern zu legen und sie durch Streicheln zum Einschlafen zu bringen.
Wenn hoffentlich alle Kinder schlafen, ist von 12.45 bis 13.30 Uhr
Mittagspause, die meistens im Essraum verbracht wird.
Nach dem Essen komme ich den Patio wo die Kinder meiner Gruppe schon
wieder am herumtoben sind und ich sie beaufsichtige, raufende Kinder
auseinanderhalte und Kinder die hingefallen sind tröste.
Eine halbe Stunde spatter müssen die Kinder in ihren Raum zurückkehren,
wo sie ein wenig in der Sala spielen können, während die
Tia und ich ihnen die Haare mit einem feuchten Kamm durchkämmen
und gegebenfalls dreckige Kleiddung wechseln. Gegen 16.00 Uhr bekommen
die Kinder zum Abschluss wieder eine Milch mit Keksen oder Brot, die
getrunken werden sollte bevor die Eltern um 16.30 Uhr zum Abholen
kommen. Nachdem alle Kinder gegangen sind steht der Raumputz an. Stühle
und Tische werden aus dem Raum geräumt um ihn zu fegen und zu
wischen. An einigen Tagen folgt noch eine Versammlung bevor ich mich
um 17.30 Uhr auf den Heimweg mache.
Neben diesem typischen Kindergartentag, gibt es für den Voluntarier,
noch andere Einsatzgebiete, die sich aber eher spontan ermöglichen.
Etwa haben wir den Sandkasten im Patio gebaut, oder es kam auch vor,
dass Bedarf bestand den Kindergarten neu zu bepflanzen, einige Wände
nachzustreichen oder den Boden des Patios mit neuem Sand auszufüllen.
Die Arbeit im Kindergarten ist von ihrem Ablauf sehr strukturiert.
Die Abschnitte des Tages, wie die Actividad und das Mittagessen, sind
streng eingeteilt, so das die Tage sich zumindest daher ähneln.
Für mich war trozdem beinahe jeder Tag ein interessanter Arbeitstag.
Mit der Zeit baut man eine Beziehung zu den Kindern auf, die die Arbeit
Freude machen lässt. Durch Gespräche mit der Tia, die sehr
wichtig sind um einen näheren Einblick zu bekommen, schaut man
hinter die Kulissen. Wenn zum Beispiel klar wird warum sich zwei Kinder
ununterbrochen und scheinbar ohne Grund streiten, der Grund aber darin
liegt, das sie es sich von ihren Müttern, die benachbart sind,
abgeschaut haben. Da wird man in die oft bittere Realität des
Armenviertels katapultiert, auch wenn die Kinder auf den ersten Blick
eine Unmenge von Spielsachen zur Verfügung haben.
Ein Problem, des Kindergartens ist die Grösse der zu betreuenden
Kinder. Die Tia hat, dadurch das sie ständig alle Kinder im Blick
haben muss keine Zeit speziell auf Einzelne einzugehen. An dieser
Stelle beginnt, zumindest für mich, die Arbeit des Voluntariers.
Indem ich die Zeit habe ein Kind, das hingefallen ist zu trösten
oder auch nur zuzuhören schenke ich den Kindern Aufmersamkeit
und Zuneigung, die ihnen von Haus aus oft fehlt. So besteht die egentliche
Arbeit des Voluntariers nicht aus körperlicher, wie Putzen oder
Tische und Stühle schleppen, sondern aus dieser viel wichtigeren
Sache: den Kindern die nötige Wärme zu schenken, die sie
brauchen.
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| 7.2
Jardin Infantil "CRISTO VIVE" in Renca |
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Es ist früh morgens 8:00 Uhr, wenn einen der schwach jammernde
“Bio-Bio” - Wecker für 500 Peso (80 Cent) aus den
Federn “reißt” und man sich zwar einerseits freut,
dass dieser immer noch funktioniert, man aber andererseits genau weiß,
was dies noch zu bedeuten hat. So schleicht man sich dann 20 Minuten
später durch das vom Vortag noch immer chaotisch aussehende Wohn-,
Ess-, Lese-, Fernseh-, Gemeinschafts-, Gästezimmer, und entdeckt
dann mit Entsetzen 2 leichtbekleidete Voluntarier in der kleinen Kochnische
stehend, auf den vierten des Hauses in der Dusche wartend und versuchend,
diesen mit lauten Sprüchen zur Eile zu ermutigen. So entschließt
man sich doch erst sein Frühstück, dessen Qualität
sehr von den Einkaufskünsten des einzelnen Individuums abhängt,
im lieblichen Vorgarten des Hauses einzunehmen und die vorbeikommenden
bekannten Kinder und Eltern mit einem kräftigen “¿Hola,
como están?” zu begrüßen.
Im 200 Meter weit entfernten Kindergarten angekommen, unterwirft man
sich erst einmal der täglichen Begrüßungszeremonie,
welche aus einem Kuss auf die Wange und Smalltalk mit jeder der Tías
besteht. Danach begibt man sich in seinen Gruppenraum, wo auch schon
einige Kinder am Spielen sind, jedoch meistens noch so müde,
dass der sonst so lebhafte Empfang durch ein müdes Lächeln
ersetzt wird. So kann man also ruhig und gelassen in den Tag starten
und erst einmal das Frühstück für die Kleinen servieren,
das von der reizenden Küchentante geliefert wird und aus Milch
mit Keksen besteht. Während des Frühstücks überprüft
man dann die Anwesenheit der einzelnen Kinder auf einer Liste, was
immer eine gute Übung zur Namenserlernung ist. Die Eltern machen
sich derweil mehr oder weniger unbemerkt aus dem Staub.
Die restliche Arbeit besteht je nach Tagesablauf aus Basteln, Singen,
Klogehen, Tische und Saal putzen, Schuhe binden, Kletterbaumspielen,
mit den Kindern im Patio spielen oder im Gruppenraum kleine Angebote
durchführen, Essen servieren und vor allem aufpassen, dass sich
die Kleinen nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen.
Zur Mittagszeit kann man sich auf die chilenische Küche einer
fürsorglichen Mutter freuen, die man sich zusammen mit einigen
anderen Tias im ¨comedor¨ schmecken lässt. Nach der Arbeit
(eigentlich nur Sonntags =) ) lockt für Fußballbegeisterte
noch ein Angebot unseres Tios Fernando.
Meiner Meinung nach aber ist die Hauptaufgabe eines Voluntariers,
im Kindergarten viel Zeit mit den Kindern einzeln und persönlich
zu verbringen, auch wenn das immer nur in einem sehr begrenzten Rahmen
möglich ist. Die Tia hat zwar die Kinder sehr gut unter Kontrolle
und sorgt auch dafür, dass der Laden läuft, jedoch bleibt
ihr bei 30 Kindern wenig Zeit auf Probleme oder Sorgen der Kinder
einzugehen, sich mal drücken oder erklettern zu lassen, mal einen
in die Luft zu werfen und zu reden. Zusammen mit einigen Praktikanten
der ¨Universidad Católica¨, durch die sich unser Kindergarten
von den anderen unterscheidet, kommt der Voluntarier ins Spiel, der
sich vor allem am Anfang, ohne jede Spanischkenntnisse und sonstigen
Plan gerne einfach mal alles erzählen lässt, was ein Kind
so auf seinem Herzen hat.
Jeder Anfang ist schwer und so ist es auch mit diesem. Man versteht
nichts, kann kaum helfen und kommt sich schon manchmal etwas überflüssig
und fehl am Platz vor. Auch sagen einem die Tias nicht immer genau,
was man in diesem Moment machen sollte oder könnte, aber wenn
ihr die ersten Wochen etwas genauer zuseht, merkt ihr sehr schnell,
wo ihr sehr gut unter die Arme greifen und so zur Seite stehen könnt,
denn sie ist die Person, der man als Voluntarier neben den Kindern
noch hilft. Die armen Tias wären ohne uns wirklich überbelastet.
So sind sie für jede Hilfe, aber auch jeden Kommunikationsversuch,
und sei er noch so klein und schlecht, froh, da dieser auch ihr Arbeitsleben
versüßt. Genau aus diesen Gesprächen mit Tias und
vor allem auch aus den Gesprächsrunden mit den Kindern habe ich
unheimlich viel über die persönlichen Probleme der Einzelnen
und die gesamte Problematik in Renca und Armut generell gelernt. Zusätzlich
bietet sich die Möglichkeit an, mit der immer geschäftigen
Sozialarbeiterin Patty wöchentlich auf Hausbesuche zu gehen,
um die Lebensbedingungen der betroffenen Familien kennen zu lernen.
Genau das sind die Früchte, die diese Arbeit bringt und so interessant
macht – natürlich neben den tausend kleinen und großen
Dankeschöns und Liebesbeweisen, die man in der Zeit dort so erntet.
In aller Kürze noch was zur bewegten Entstehung des Jardins:
Alles begann mit dem Aufbau der Poblacion ¨la Villa Mercedes¨
(Renca) im Jahre 1989, der durch unsere Schwester Karoline und die
Tia Pin ermöglicht wurde. Um den überwiegend arbeitslosen
Menschen eine Perspektive zu bieten, brachte Schwester Karoline Maschinen
und Stoffe und fing an mit den Müttern Kleider zu nähen.
Währenddessen kümmerten sich lediglich zwei Mütter
in einem kleinen Haus um die Kinder der arbeitenden. Probleme wie
Drogenabhängigkeit, Alkoholismus, frühe Schwangerschaften
und alleingelassene Mütter (neben der allgemeinen Armut) bewegten
Schwester Karoline zur Gründung des Jardin Infantils am 1. März
1991.
Heute kümmern sich 17 Tias um rund 160 Kinder im Alter von 2-5
Jahren.
Freuet euch, ihr, die ihr nach Renca kommen möget, denn mit
seinem derbst korrekten Tia-Team, seiner liebevollen Gestaltung und
der nahen Wohnlage ist Renca unserer Meinung nach der schönste
Kindergarten unserer Fundación.
Renca WG
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| 7.3.
Jardin Infantil TIERRA DE NIÑOS in la Pintana |
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Jardín Tierra de Niños –
La Pintana
Der Kindergarten Tierra de Niños wurde im Jahr 2000 gegruendet.
Seitdem wurden die Gebäude ständig erweitert und ausgebaut.
Zur Zeit werden 146 Kinder betreut. Das Personal besteht aus 14 Personen,
inkl. der Directora, 2 Köchinen und einer Reinigungskraft. Ausserdem
leisten seit Sommer 2003 immer jeweils 4 Freiwillige für den
Zeitraum eines Jahres hier ihren Dienst.
Im Tierra de Niños gibt es insgesamt fünf Salas. Jeder
Voluntarier wird einem Sala zugeteilt, indem dann auch sein Hauptarbeitsbereich
liegt.
Da in jedem Sala 25-33 Kinder zu betreuen sind und maximal zwei, oftmals
nur eine Kindergärtnerin für diese grosse Gruppe
zuständig ist, bestehen die Aufgaben der Freiwilligen hauptsächlich
in der Unterstützung der Tias.
Der Tag beginnt mit dem morgendlichen Frühstück, welches
meisst aus einer Milch und einem Stück Brot oder einem Keks besteht.
Hier hilft der Freiwillige bei der Verteilung der Milch und sorgt
mit der Tia dafür, dass diese von möglichst vielen Kindern
auch getrunken wird, was sich als nicht immer einfach gestaltet. Den
Rest des Tages verbringen die Kinder je nach Altersstufe mit verschiedene
Aktivitäten. Diese bestehen z.B. aus dem Erlernen von neuen Wörtern,
Basteln, Malen oder Singen. Der Freiwillige hilft der Tia bei der
Durchführung dieser Aktivitäten und kümmert sich um
die Kinder, die Hilfe brauchen. Einen weiteren Teil des Tages verbringen
die Kinder draussen im Patio, wo sie die Möglichkeit haben, frei
zu spielen.
Beim Mittagessen gilt es, die Kinder dazu zu bringen, möglichst
ihr ganzes Essen aufzuessen, denn oftmals bekommen diese zu Hause
oft nur wenig oder Ungesundes. Für eine gute physische Entwicklung
der Kinder ist es somit wichtig ist, dass sie im Kindergarten richtig
essen.
Der Nachmittag verläuft ähnlich wie der Vormittag und endet
mit der Nachmittagsmilch um 16 Uhr. Um 16.30 Uhr werden die Kinder
abgeholt.
Dann wird der Sala aufgeräumt und sauber gemacht, um 17 Uhr ist
(normalerweise) für die Freiwilligen Feierabend.
Anzumerken ist noch, dass die Aufgaben in den Altersstufen zum Teil
sehr unterschiedlich sind. Bei den ganz Kleinen gibt es oftmals mehr
mit anzupacken, da die Kinder noch weniger selbstständig sind
als die Grösseren.
Neben dem normalen Tagesablauf gibt es hin und wieder auch andere
Dinge zu tun, zum Beispiel der Direktorin im Büro zu helfen,
besondere Feste und Ähnliches vorzubereiten usw. Diese Dinge
sind für den Freiwilligen meisst willkommene Abwechslungen vom
normalen Kindergartenalltag.
Bei der Arbeit im Tierra de Niños hat man mit Kindern zu tun,
welche hauptsächlich aus sehr schwierigen Familienverhältnissen
stammen. Dementsprechend kompliziert ist deshalb oft die Arbeit, da
die Kinder von zu Hause kaum Regeln bzw. geregelte Tagesabläufe
gewohnt, sowie oftmals Opfer von Gewalt sind. Aus diesem Grunde sind
die Kinder in ihren Reaktionen teilweise schwer einzuschätzen
bzw. nachzuvollziehen. Ebenso gestaltet es sich aufgrund ihres schwierigen
Hintergrundes manchmal als nicht einfach, sich bei den Kindern Gehör
zu verschaffen und sich durchzusetzen; sie allein durch “Gutzureden”
dazu zu bringen ihre Milch zu trinken oder den Freund nicht zu schlagen.
Vor allem in der ersten Zeit, in der der Freiwillige selber noch mit
dem Erlernen und der Anwendung der fremden Sprache zu kämpfen
hat, fällt es schwer, sich durchzusetzen und die richtige Mischung
aus Zuwendung und Grenzensetzen zu finden. Auf der anderen Seite bekommt
man von den Kindern sehr viel Zuneigung, da der Freiwillige manchmal
die einzige Person ist, von denen sie Aufmerksamkeit und Liebe bekommen.
Am Anfang des Dienstes ist es gar nicht so einfach, sich in die Arbeit
des Kindergartens einzufügen. Neben den Kindern muss der Freiwillige
sich erst auf die Zusammenarbeit mit den Kindergärtnerinnen einstellen
und lernen, was wann zu tun ist und wo man mit anpacken kann. Mit
offenen Augen und Ohren bekommt man aber recht schnell mit, wo die
Kindergärtnerinnen Hilfe brauchen und wo es etwas zu tun gibt.
Auch wenn es hin und wieder besondere Aktivitäten wie Feste oder
Ausflüge gibt, besteht der Alltag doch aus verhältnissmässig
viel Routine, was durchaus auch ermüdend sein kann.
Zu den Kindergärtnerinnen(und insbesondere der Direktorin) besteht
im allgemeinen ein gutes Verhältniss.
Abschliessend lässt sich sagen, dass die Arbeit im Tierra de
Niños nicht immer ganz einfach ist, jedoch wächst der
Freiwillige an seinen Aufgaben und wird somit im Laufe der Zeit immer
mehr zu einem festen Bestandteil des Kindergartens.
Die Voluntarios 2005/2006 Marietta, Sandra, Sebastian und Malte
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| 7.4
Behindertenstätte "DIOS CON NOSOTROS |
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Fakten, Fakten, Fakten ...
Der Hogar Dios Con Nosotros ist eine Einrichtung für 30 geistig
sowie körperlich behinderte, erwachsene Menschen. Sie werden
wochentags von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr betreut. Die Einrichtung besteht
seit mehr als 15 Jahren und wird von fünf chilenischen Mitarbeitern
geführt, wobei zwei von ihnen direkt mit den behinderten Menschen
arbeiten. Eine Tía ist in der Küche, Einer putzt.
Die Menschen, wo von uns betreut werden, kommen direkt aus dem Armenviertel
in dem wir leben. Häuftig kommen sie aus sozial schwachen Familien,
weswegen der monatliche Beitrag für die Betreuung freiwillig
ist. Viele der von uns betreuten Personen haben keine Familien und
leben in Heimen. Andere haben zwar Familien, die sich jedoch oft nur
sehr sporadisch um ihre behinderten Kinder kümmern.
Die Behinderungen, mit denen wir hier konfrontiert werden, reichen
von geistiger Beeinträchtigung, die auf den ersten Blick kaum
auffällt, über Schizophrenie in verschiedenen Schweregraden,
Epillepsie, Menschen mit Down-Syndrom, Lähmungen bis zu Autismus.
Wir arbeiten mit erwachsenen Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren,
weshalb eine Therapierung nur bedingt möglich ist.
Arbeitsbereiche, Tagesablauf und Erfahrungen
Um 8.30 Uhr beginnt der Arbeitstag mit einem gemeinsamen Frühstück
für alle Mitarbeiter. Bis 9.30 Uhr trudeln die Behinderten in
die Tagesstätte ein und frühstücken. Davor beten wir
zusammen das Vater Unser oder das Ave Maria und es wird das Evangelium
des Tages gelesen. Dann teilen wir das Frühstück aus, manchen
muss beim Essen Hilfestellung gegeben werden (Füttern, Essen
zerkleinern, Mundabwischen).
Nach dem Frühstück folgt bis 11 Uhr das Morgenprogramm.
In der Regel besteht dies aus kreativen Tätigkeiten, wie wir
sie aus dem Kunstunterricht gewohnt sind. Vor allem die Freiwilligen
bieten andere Aktivitäten an, so zum Beispiel: Spaziergänge,
Gymnastik und Sport, Musik; sie haben die Zeit und Motivation zur
individuellen Förderung Einzelner. Ein besonderer Schwerpunkt
ist momentan die Sprach- und Bewegungsförderung.
Gerade im Sommer, in dem keine besonderen Feste anstehen und die Hitze
jedem zu schaffen macht, folgt danach eine ausgedehnte kreative Pause.
Einmal pro Woche gehen wir während dieser Zeit auf die „Feria“,
ein entlang einer Strabe verlaufender Obst- und Gemüsemarkt.
Vor anstehenden gröberen Festen, wie zum Beispiel dem Frühlingsfest,
Weihnachten, Ostern oder dem chilenischen Nationalfeiertag, gibt es
ausreichend Arbeit, so dass diese Vor-Mittagspause entfällt.
Um 12.30 Uhr gibt es das von der Küchentia liebevoll zubereitete
Mittagessen, wobei wie beim Frühstück einigen beim Essen
geholfen werden muss. Im Anschluss daran legen sich alle Behinderten,
nachdem sie die Zähne geputzt bzw. geputzt bekommen haben, in
einem seperaten Raum für 1 1/2 Std. zur Ruhe. In dieser Zeit
haben wir Pause und essen zusammen mit den Tios zu Mittag.
Um 14.30 Uhr werden die Behinderten geweckt, danach erfolgt das Nachmittagsprogramm.
Es bleibt nochmals eine entspannte Stunde für verschiedene, kleinere
Aktivitäten. Um 16 Uhr wird „Once“ serviert (Nachmittagssnak).
Kurz darauf werden die Behinderten von der Mutter zweier Behinderter
abgeholt. Dabei werden genauso wie morgens starke Männer zum
Einladen der Behinderten benötigt. In der letzten Stunde stehen
Aufräumarbeiten, Vorbereitungen und administrative Arbeit an.
Um 17.30 Uhr endet unser Arbeitstag und wir gehen genau so glücklich,
wie wir gekommen sind, wieder nach Hause.
Der pflegerische Bereich wie z.B. Wickeln, Baden oder das einfache
Helfen beim Toilettengang sind ein grober, nicht zu unterschätzender
Teil des Tagesablaufes.
Höhepunkte im Jahresablauf sind neben den bereits erwähnten
Festen auch Ausflüge in nahe gelegene Parks, unter Umständen
auch einmal ans Meer.
Ein besonderer Moment in unserer bisherigen Arbeitszeit war das wochenlang
vorbereitete Frühlingsfest, nebst dem Nationalfeiertag das wichtigste
Ereignis für unsere Behinderten und Tios. Es war sehr bewegend,
die Freudentränen in den Gesichtern einiger Behinderter und Gäste
zu sehen. Als die Behinderten zum Lied „We are the Champions“
von Queen auf die Bühne ziehen, lassen sich die Emotionen nicht
mehr zurückhalten. Dieses befreiende Gefühl nach wochenlanger
Arbeit und Anstrengung, lässt auch bei uns Freudentränen
kullern.
Eine unserer ersten Erfahrungen war, dass man bei der Arbeit mit den
Behinderten sehr viel Geduld benötigt. Selbst nach monatelanger
Tätigkeit, muss man sich immer wieder ermahnen, Geduld zu bewahren,
weil die Behinderten oft auch bei für uns leicht erscheinenden
Aufgaben lange benötigen. Manchmal war es auch gar nicht möglich,
jemandem etwas so beizubringen, wie man es sich selbst vorstellt.
Dabei stöbt man auf seine eigenen Grenzen, was eine grobe Frustration
bedeuten kann. Mit der Zeit lernt man, sich auch an kleinsten Erfolgen
zu erfreuen, ohne riesige Veränderungen bewirken zu müssen.
Es ist sehr schön zu erfahren, dass sich die Behinderten über
Dinge freuen, welche uns alltäglich erscheinen. Da sie Zuhause
oft wenig liebevolle Zuwendung bekommen, löst eine freundliche
Geste sehr viel Dankbarkeit aus.
Mit den meisten Behinderten ist es schwierig auf verbaler Ebene zu
kommunizieren, weshalb andere Arten sich mitzuteilen notwendig sind.
Manchmal ist die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme der
Körper. Für Menschen die im Umgang mit Behinderten noch
keine Erfahrung haben, kann der häufig enge Körperkontakt
zu Beginn unangenehm sein.
Worauf man sich einstellen sollte...
Wenn man nach Chile fliegt und im Dios con Nosotros arbeitet, muss
man sich auch auf einige Problemchen einstellen. Wir konnten bereits
mit der chilenischen Mentalität der Informationsweitergabe ausreichend
Bekanntschaft machen. Offene Kritik ist nicht angebracht, was für
wahrheitsliebende Naturen sehr frustrierend ist. Selbst in oberen
Etagen werden Probleme unserer Meinung nach nicht offen angesprochen
und es fehlt im allgemeinen an Kommunikation.
Da das Personal schon Jahre lang unter diesen Umständen arbeitet,
hat es sich mit der Situation arrangiert und es ist sehr schwer, Veränderungen
wie zum Beispiel neue pädagogische Konzepte einzubringen. Die
Mitarbeiter sind misstrauisch gegenüber jeglichen Versprechungen
geworden, da sie oft enttäuscht wurden.
Als Freiwilliger wird man im Dios Con Nosotros dennoch meist sehr
warmherzig aufgenommen, man hat die Freiheit, eigene Ideen einzubringen,
überhaupt hat man viel Freiheit. Die Tias haben einen insgesamt
sehr guten Willen mit den Freiwilligen, es fehlt jedoch öfters
eine konkrete Rückmeldung über die Zufriedenheit mit unserer
Arbeit.
Momentan gibt es grobe Umwälzungen im Hogar: Seit einem halben
Jahr arbeiten wir mit einem neuen Chef, der viele neue Konzepte in
die Arbeit einflieben lassen will und es hoffentlich schaffen wird,
die Mitarbeiter für neue pädagogische Wege zu motivieren.
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| 7.5
AssistenIn oder “der Bürozivi” von Schwester Karoline
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 Als
Bürozivi sitzt man im Gebäude der Berufsschule EFPO und ist
sozusagen Karolines Sekretär und Mädchen für alles. Da
Karoline jeden Tag Berge von Post und E-Mails aus aller Welt erhält,
bekommt man nicht nur sehr viel von dem mit, was gerade in der FCV passiert,
sondern muss auch darauf reagieren und Karolines Mund und Ohren sein.
Karoline selbst ist grundsätzlich im Stress und es ist nie genau
abzuschätzen, wann sie denn nun gerade in ihrem Büro ist –
also immer schön wachsam sein, aber wen sie dann da ist bleibt
der Tisch nie leer.
Der Bürozivi ist einerseits für die Verbindung nach Deutschland
(Amntena, CVE, Freiwilligenfamilien und den Spendern und Spenderkreisen),
Bolivien, Peru und in den Rest der Welt zuständig und andererseits
für die Administration der Adress-, Voluntarier und Spenderlisten.
Auch für Botengänge, Postlieferungen, Übehrsetzungen
und das schreiben von Büchern (siehe dazu Herder Verlag „Das
Geheimnis ist immer die Liebe“ – Aug. 06) wird gern der
Bürozivi genutzt. Eine sehr interessante und schöne Aufgabe
ist das führen von Besuchern, Spendern und anderen Leuten die sich
für die Fundación interessieren und gerade hier in Chile
sind, dabei lernt man viele Seiten der Fundación kennen und man
kommt viel rum.
An Weihnachten ist grundsätzlich das große Chaos angesagt,
da dann tausende Briefe an Karolines Freunde und Förderer in
die ganze Welt verschickt werden. Das heißt kopieren, bis die
Mühle qualmt im wahrsten sinne des Wortes, was nur zu häufig
auch passiert. Es handelt sich hier um ca. 2K Briefe die kopier, eingetütet,
gestempelt, mit Briefmarke und Adresse versehen und dann letztendlich
geschickt werden müssen
Um die Fundacións-Homepage aktuell zu halten, sind Kenntnisse
von Dreamweaver und MacroMediaFlash empfehlenswert, ebenso grundlegende
Netzwerkkenntnisse. Um das wuchernde Netzwerk aufrecht zu erhalten,
sollte man am besten studierter Systemadministrator und Elektrotechniker
sein; ab und zu muss auch mal der Homedrucker der Sekretärin
repariert werden.
Generell kann man nur sagen, dass ihr euer Arbeitsgebiet durch Eigeninitiative
fast unbegrenzt ausdehnen könnt. !!
Jonas Kutzner
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| 7.6
Berufsschule EFPO/CLOTARIO BLEST: in der Tischlerei |
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Vorraussetzung, um in der Tischlerei der Fundacion zu arbeiten, ist
eine Tischler- oder Zimmererausbildung. Der für die Tischlerei
zuständige Meister Juan Medina, der einem die herzustellenden
Werkstücke bzw. Aufträge der Fundacion näherbringt,
ist zwar sehr geübt im Umgang mit sprachbeminderten Voluntariern,
doch nötiges Fachwissen, um seine meist zeichnerischen Erklärungen
zu verstehen, ist auf jeden Fall nötig.
Die Hauptaufgabe der Voluntarier, die in der Tischlerei arbeiten,ist,
sämtliche Arbeiten, die in Beziehung zu Holz stehen, für
die Fundacion zu erledigen. D.h.:
- Möbel für die Voluntarierhäuser, die Kindergärten
und das Gesundheitszentrum bauen, restaurieren oder reparieren
- Restaurierungsarbeiten an den Voluntarierhäusern oder anderen
Gebäuden der Fundacion
- beim Bau von neuen Bauwerken der Fundacion mithelfen
- sämtliche andere Sachen aus Holz, die die Fundacion benötigt,
herzustellen
Die Werkstatt stellt sämtliches Werkzeug. Es muss daher nichts
aus Deutschland mitgebracht werden.
Die Tischlerei besteht aus vier Werkshallen. In den ersten drei arbeiten
die Schüler zusammen mit den Lehrern an den Werksbänken.
In der letzten großen Halle, in der sämtliche Maschinen
stehen, arbeiten die Schüler des letzten Tischlerkurses und die
Voluntarier.
Christoff Burhenne
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7.7
Poliklinik Villa Mercedes in Renca |
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Zusammen
mit dem Kindergarten ist die Poliklinik in Renca eine mögliche
Einsatzstelle für Voluntarier, die etwas abgelegen vom Rest ist.
Wer eine Zeit seines freiwilligen Dienstes in der Poliklinik verbringen
will, sollte sprachlich möglichst fit sein, weil es sonst sehr
schwer ist zu verstehen, was vor sich geht. Es sind zwar keine medizinischen
Vorkenntnisse notwendig, es sollte aber auf jeden Fall ein Interesse
in dieser Richtung vorhanden sein. Wer z.B. ein Medizinstudium anstrebt,
kann so die Zeit als Praktikum nutzen und schon mal Lungen abhören,
in Ohren schauen, Mandelentzündungen erkennen lernen, bei Sprechstunden
dabei sein und Krankheiten und Behandlungsmethoden erklärt bekommen.
Viel selbständig arbeiten kann man als Voluntarier in der Poliklinik
nicht, dafür aber viel zusehen, Fragen stellen und daraus lernen
und mit der Zeit auch mal ´ran dürfen, beim Verbände
anlegen helfen, Blutdruck messen, Spritzen aufziehen oder auch Patienten
empfangen, Akten suchen, Schreibarbeiten erledigen, Medikamentenlieferungen
aufräumen, putzen, …
Bei all dem sollte man keinen Ekel davor haben, Wunden zu sehen und
kein Problem damit haben, sich kranken und armen Menschen anzunähern
oder dazu bereit sein, es zu lernen. Nicht nur weil die Poliklinik
sehr klein ist (auch wenn sie viele Dienste anbietet: Ärzte,
Krankenschwestern, Apotheke, Psychologin, Hebamme, Pädagogin),
sondern auch weil sie inmitten der Poblacion liegt, ist diese Chance,
mal einen tieferen Einblick in das Leben der Leute zu bekommen, einmalig.
So besteht auch die Möglichkeit bei Hausbesuchen hinter die Fassaden
zu blicken und ein ganzheitliches Verständnis für die Probleme
und die Situation der Menschen zu entwickeln.
Insgesamt ist die Arbeit in der Poliklinik sehr abwechslungsreich,
überaus lehrreich und interessant und für Interessierte,
die die Gelegenheit nutzen wollen, empfehlenswert.
Eva Schweiger
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7.8. CONSULTORIO |
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Centro de Salud Familiar (CESFAM)
1. Das Centro de Salud Familiar (CESFAM) ist ein Familien orientiertes
Gesundheitszentrum in Recoleta, einem Armenviertel von Santiago.
Als Teil des öffentlichen Gesundheitssystems wird es von
der Regierung mitfinanziert, ist aber auch von Spenden aus Europa
abhängig. Circa 120 Angestellte versorgen ambulant ungefähr
21.000 Menschen. Die Patienten sind zu über 90 % Fonasa A
und B (Fundo National de Salud), das heisst ohne geregeltes Einkommen
oder nur chilenisches Mindeseinkommen von 200 Euro im Monat. Die
Familien sind in 4 Sektoren mit jeweils rund 5000 Patienten eingeteilt.
In jedem Sektor arbeiten Krankenschwestern, Allgemeinmediziner,
Krankenpflegehelfer, Psychologen und Sozialarbeiter als Team zusammen.
Zusätzlich gibt es eine Zahnmedizinische Abteilung, Ernährungsberater,
einen Augenarzt, Kinderärzte, und eine Sterilisation. Hebammen
betreuen die Schwangeren und machen gynäkologische Vorsorge
Untersuchungen. In der Hauseigenen Apotheke und Trockenmilch Ausgabestelle
werden die Patienten mit Medikamenten versorgt. Die Krankenpflegehelfer
Schüler absolvieren in der Krankenpflegeschule eine einjährige
Ausbildung. Für Notfälle (wie zum Beispiel Blutzucker
entgleisungen oder Kreislaufzusammenbrüche) aber auch für
Impfungen und Verbandswechsel steht die Ambulanz zur Verfügung.
Durch Krankenschwestern, Ärzte und Voluntarier werden bei
den regelmässigen Hausbesuchen die immobilen und Bettlägerigen
Patienten betreut. Einmal wöchentlich findet im jeweiligen
Sektor eine Sitzung mit allen dazugehörigen Mitarbeitern
statt. Dort werden fächerübergreifend im Team probleme
besprochen die ganze Familien betreffen. Dadurch wird die ganzheitliche
Versorgung der Patienten garantiert, da oft medizinische und soziale
probleme innerhalb einer Familie existieren, zum Beispiel Gewalt
und Drogenmissbrauch. Das Krankheitsspektrum ist sehr ähnlich
wie in Europa, allerdings gibt es, aufgrund der schlechten Ernährungsweise,
sehr viele Übergewichtige, Diabetiker und Karies Patienten.
Der Smog in Santiago sorgt auch für ein gehäuftes Auftreten
von Atemwegserkrankungen. Alkohol, Drogen und Gewalt sind in einem
Armenviertel wie Recoleta natürlich nicht selten, genauso
wie extrem junge Mütter (zum Teil 14 jahre alt).
2. Einsatzmöglichkeiten für Voluntarier
Als Voluntarier im CESFAM hat man vielseitige Tätigkeitsfelder
in verschiedenen Bereichen. Zum Beispiel wird in der Apotheke
Hilfe immer gerne gesehen. Für Medizinstudenten oder Voluntarier
die nach dem Freiwilligendienst Medizin studieren wollen ist die
Arbeit mit den Ärzten besonders interessant. Man kann jede
Menge lernen und Erfahrungen sammeln. Als Krankenschwester, PhysiotherapeutIn
oder angehende/r MedizinerIn darf man auch in der Ambulanz mithelfen,
wenn dort Hilfe gebraucht wird. Die Eindrücke, die zum Teil
sehr intensiv sind, helfen einem die Armut der chilenen in Recoleta
und die Probleme die sich daraus ergeben, zu verstehen. Generell
ist von den Voluntariern Eigeninitiative und persönliches
Engagement gefordert, da es keinen festen “Stundenplan”
gibt. Gleichzeitig lässt das aber auch viele Freiheiten bei
der Ausarbeitung eines individuellen Arbeitsplans, der, natürlich
nur nach persönlicher Absprache mit dem zuständigen
Chef, die eigenen Fähigkeiten und Interessensgebiete berücksichtigt.
Was für alle Bereiche des CESFAM jedoch essentiell wichtig
ist, sind gute Spanischkenntnisse, da sonst sowohl die Kommunikation
mit den Patienten als auch mit den Mitarbeitern frustrierend ist.
3. Schwierigkeiten des CESFAM bzw. des chilenischen Gesundheitssystems
Wie alle Einrichtungen der Fundación Cristo Vive ist auch
das CESFAM von Spenden abhängig. Obwohl der Chilenische Staat
mitfinanziert fehlt es doch an diversen Dingen. Ein Ultraschall
oder Röntgengerät wären für Diagnosestellungen
oft sehr hilfreich. Aber auch an kleinen Dingen wie Verbandsmaterial
oder manchen Medikamenten gibt es Bedarf. Als teil des Gesundheitssystems
in Chile ist das CESFAM, so wie die anderen öffentlichen
Consultorien und Krankenhäuser, extrem unterfinanziert und
das Personal unterbezahlt. Wartezeiten für einen Termin bei
einem Spezialisten, für eine Magenspiegelung oder eine Computer
Tomographie von Wochen oder Monaten sind keine Seltenheit. Das
Krankenhaus San Jose in Recoleta, in welches die Patienten des
CESFAM bei Bedarf überwiesen werden ist so überlasstet,
das schwerkranke Patienten aufgrund von Platzmangel wieder heimgeschickt
werden. Wenn man weiss wie schnell und exzellent die Patienten
hier in einer Privatklinik, wie zum Beispiel der Clinica Alemana,
behandelt werden, macht das schon wütend über die Ungerechtigkeit
die in Chile herrscht. Hier hat das Wort 2-Klassen-Medizin eine
ganz andere Dimension als in Deutschland.
4. Lust und Frust als Voluntarier (Erfahrungsbericht)
Die grösste Schwierigkeit für mich und wahrscheinlich
die meisten anderen Voluntarier am Anfang war natürlich die
Sprache. Das Chilenisch nicht gleich Spanisch ist (erst recht
nicht in Recoleta), kann schon sehr frustrierend sein. Manchmal
kommt man sich in einem so grossen Betrieb in dem sich keiner
so 100% für einen Verantwortlich fühlt doch etwas verloren
vor. Wenn man in solchen Momenten dann noch mit alten, ehemaligen
Voluntariern verglichen wird, die ja so nett waren, super integriert
und dazu noch perfekt spanisch sprechen konnten, hebt das auch
nicht gerade die Stimmung. Genau in solchen Momenten ist es unglaublich
schön wenn man sieht und fühlt wie sehr sich die Patienten
freuen das man für sie da ist. Oder wenn man von den Arbeitskollegen
zum Eis essen eingeladen wird oder abends zusammen in die Disco
geht. Oder wenn man es geschafft hat ein Kind spielerisch zu untersuchen,
ohne das es geschriehen oder geheult hat, und es einen anlächelt,
dann vergisst man allen Frust und Ärger. Oder wenn man nach
einem Hausbesuch ein Weihnachtsgeschenk bekommt, von einer Familie
die selber nichts hat, dann ist das eine einmalige Erfahrung,
das die ärmsten Menschen die es sich eigentlich gar nicht
leisten können oft die grosszügigsten sind. Die Herzlichkeit
und Dankbarkeit mit der man Empfangen wird bleibt einem im Gedächtniss.
Aber auch im CESFAM ist die Atmosphäre zwischen Ärzten,
Krankenschwestern, Voluntariern und allen anderen die dort arbeiten
sehr angenehm und man fühlt sich schnell zu Hause. Das Hierarchische
zusammen mit Kompetenzgerangel und Konkurrenzdenken, das in manchen
Deutschen Krankenhäusern existiert, gibt es hier so nicht,
was bestimmt auch am christlichen Gedanken der Fundacion Cristo
Vive liegt.
Rückblickend hat mir meine Zeit als Voluntarier im CESFAM
sehr gut gefallen und ich werde meine Arbeitskollegen hier sehr
vermissen.
©2006 Andreas Zedelius
Wichtig!!:
Der Dienst im Consultorio kommt nur für Freiwillige mit entsprechender
Vorbildung oder Berufserfahrung in Frage.
nach ober |
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| 7.9.
Eventuell: Einsatz in Bolivien |
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Im
Februar können eventuell einige Voluntarier Schwester Karoline
zu der noch jungen Fundacion Cristo Vive in Cochabamba und dem kleinen
Dörfchen Bella Vista in Bolivien begleiten. Aktivitäten
umfassten bisher den Bau von Spielplätzen für das staatliche
Kinderheim in Cochabamba und für den fundacionseignen Kindergarten
sowie Aktiviäten mit den Heimkindern, oft in Zusammenarbeit mit
bolivianischen Pfadfindern. Die Aktivitäten werden – je
nach Bedarf – jedes Jahr von den Voluntariern vorher in Chile
selbständig vorbereitet.
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