Inhaltsverzeichnis5. Leben/Alltag in Chile
 

5.1 Kulturschock: ...die Leute sind ja gar nicht so arm, oder doch ?

5.2 Einige Eindrücke aus dem Leben in Recoleta
 
5.1 Kulturschock: ...die Leute sind ja gar nicht so arm, oder doch ?
 

KulturschockDas ist einer der typischen Sätze oder Eindrücke, den viele Voluntarier oder andere Besucher am Anfang in Chile und auch noch in den Poblaciones, den Randvierteln, haben. Es ist auch begründet, denn materiell geht es vielen Chilenen besser als den Menschen in anderen lateinamerikanischen Ländern. Die meisten Menschen haben Trinkwasser im Haus und Strom und jedes Kind hat Anrecht auf Milchversorgung und Impfungen. Die Armut ist viel weniger sichtbar und hat auch nicht das Ausmaß von Slums in Brasilien oder Indien. Also, man sollte nicht von seinem Aufenthalt erwarten im heruntergekommenen Wellblechhütten ohne Wasser und Strom zu wohnen und von unterernährten Kindern mit aufgeblähten Bäuchen umgeben zu sein.

Guckt man jedoch einmal hinter die Fassaden, z.B. indem man die Sozialarbeiterin des Kindergartens, eine Krankenschwester oder Schw. Karoline begleitet, wird man auf große Armut treffen. 10 Menschen auf engstem Raum, Drogenabhängigkeit, Gewalt innerhalb der Familie (Chile hat eine der höchsten Raten von Lateinamerika), Jugendschwangerschaften sind nicht selten in ein und der selben Familie anzutreffen. Das Gesundheitssystem benachteiligt Leute ohne Geld: Wer eine etwas kompliziertere Krankheit hat, kann auch schon mal solange nur auf die Diagnose warten, bis es schon viel zu spät ist.

In Chile ist die Armut viel subtiler, es zieht sich eine leise Mauer durch die Gesellschaft: zwischen dem “Barrio Alto” (Reichenviertel), den Mittelschichtsvierteln und den Armen- oder Randvierteln. Aber auch innerhalb der Poblacion gibt es Unterschiede: man wird oft schönen Häusern mit großen Autos davor begegnen. Diese können aber auch aufgrund von Einnahmen aus dem Drogenhandel so gewachsen sein. Auch begegnet man häufig im Kindergarten dem Satz: ach den Kindern geht es doch gut, besser als im deutschen Kindergarten und sie sind ordentlich gekleidet. Tatsache ist leider, dass es vielen Kindern zu Hause nicht gut geht. Vor allem fehlt ihnen viel Liebe.

Das Traurige in Chile ist, dass es sehr viel Geld, Bildung, Kommunikation und Technologie gibt, dies jedoch hauptsächlich der reichen Oberschicht vorbehalten bleibt. In vielen anderen Ländern ist es auch so, für Chile bestünde aber realistisch die Möglichkeit die Gesellschaft gerechter zu gestalten und die Ressourcen besser zu verteilen.

Dass es jetzt in einigen Teilen von Recoleta, Renca u. La Pintana schon viel besser aussieht, ist ja auch ein Ergebnis der 30-jährigen Arbeit von Karoline und ihren MitarbeiterInnen.

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5.2 Einige Eindrücke aus dem Leben in Recoleta
 
Daecher in der Quinta BellaDer erste Eindruck von Recoleta mag ein bisschen schockierend sein, aber nach einer Weile stellt man fest, daß es so anders gar nicht ist...

Der größte Unterschied zu Deutschland dürften wohl die Straßenhunde sein. Die gibt's hier in rauhen Mengen und in allen Formen und Farben. Normalerweise tun sie einem nichts, sollte man doch mal gebissen worden sein, gibt's die Tollwutimpfung hinterher umsonst – also, kein Grund zur Aufregung...
Besonders aktiv zu sehen sind die Viecher an den "Mülltagen" dienstags, donnerstag und samstags. Da schmeißt dann ganz Recoleta alles, was so an Dreck im Haus herumfliegt auf die Straße. Ob in Plastiktüten oder nicht, ist eigentlich egal, die Hunde reißen die Tüten sowieso auf. Wenn man nachmittags von der Arbeit kommt, sehen die Straßen dann aber eigentlich auch schon wieder ganz passabel aus (so wie immer halt, ...die Straßenreinigung macht's möglich).

Obstwagen vor der CapillaNoch ein Unterschied, den vor allem die weiblichen Wesen unter euch bald feststellen dürften, ist das Verhalten von Männern. Aber auch wenn man sich anfangs noch über das Nachpfeifen und die "Oye, rubia..." ("Hallo Blondine...") - Rufe ärgert - irgendwann überhört man sie! Grüßt einfach freundlich zurück, damit nehmt ihr vielen schon den Wind aus den Segeln.

Die Leute in Recoleta an sich sind schon sehr an Voluntarier gewöhnt, was Vor- und Nachteile haben kann. So haben sich zum Beispiel nachbarschaftlich in einigen Häusern die Fronten schon verhärtet -falls ihr in einem solchen Haus landet, versucht trotzdem euer Möglichstes die Sache zu überwinden (zukünftige Voluntariergenerationen werden es euch danken!).

 

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