"Wir alle -jeder von uns ist berufen,
eine Spur der Liebe auf unserer Erde zu hinterlassen!"


Santiago, den 7. Oktober 2003


Die Satzung steht!


Unsere lieben Freunde:

Es war ein Traum - und er ist jetzt Wirklichkeit: Am 6.9. hat die "Fundación Cristo Vive Perú" das Licht der Welt erblickt. Könnt ihr euch vorstellen, dass an einem Samstagabend um 20:45h nach tagelanger Arbeit bis in die Nächte hinein und nach intensiven Gesprächen mit den zukünftigen ehrenamtlichen Mitarbeitern die Satzung von der Notarin Antonieta Ocampo D. approbiert und die Gründungsakte der Fundación Cristo Vive Perú unterzeichnet worden ist - und das im Zentrum der Inkastadt Cusco!

Zusammen mit Maruja und unseren beiden peruanischen Freundinnen Anita Maria und Cristina waren wir für 1 ½ Wochen nach Cusco gegangen, um zu sehen und auszukundschaften, was wir dort für die Menschen in Not tun könnten. Auf dem Flughafen hatten uns die Eltern und Geschwister der beiden sowie eine große Schar von neuen Freunden erwartet, die uns "nach Hause" brachten.

In den darauffolgenden Tagen lernten wir viele Leute kennen, die schon lange den Wunsch hegten, eine Organisation für den Dienst an den Armen zu gründen - Personen verschiedener Berufe und aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Wir sind zu den Armen in Cusco und Umgebung gegangen und haben ihnen zugehört.

Bald sahen wir, dass die neuen Freunde bereit waren, sich ehrenamtlich an der Arbeit zu beteiligen. Wir hatten einen Entwurf für die Gründung einer peruanischen Stiftung mitgebracht. Zwei Rechtsanwälte begannen nun, diesen Entwurf der Satzung zu überarbeiten. Nach mehreren Nächten war die Satzung so ausgereift, dass wir es wagten, zum Notar zu gehen, um sie überprüfen zu lassen. Als Gründungskapital hatten wir U$ 650,- zusammenlegen können. Im Notarbüro gab es keine Einwände zu der Satzung, man informierte uns jedoch zu unserem Schrecken, dass nach peruanischem Recht zur Gründung einer Stiftung ein Gebäude oder ein Grundstück erforderlich wäre. Diese Bedingung sei nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch unumgänglich. Wir kehrten perplex nach Hause zurück Die Eltern von Anita Maria und Cristina, die in sehr bescheidenen Verhältnissen leben, aber mit Freude unsere Träume und die Arbeit an der Satzung begleitet hatten, waren genauso wie wir von dieser Nachricht betroffen.

Und dann passierte uns etwas Wunderbares. Policarpo, der Vater von Anita Maria und Cristina, lud uns zu einem Gespräch am Esstisch ein, bei dem er uns erklärte, dass er bereit sei, uns ein kleines Grundstück zu schenken. Ich traute meinen Ohren nicht und fragte, ob seine Frau und seine Kinder damit einverstanden wären, worüber er lachte und mir antwortete, dass er daran keine Zweifel hätte. Da ich es immer noch nicht glauben konnte, fragte ich am nächsten Morgen die ganze Familie, ob sie diese Schenkung nicht irgendwann bereuen würden. Mein Unglaube wurde mit einem kräftigen Lachen beantwortet. Noch am selben Morgen brachte Policarpo zusammen mit seinem Sohn Juan die Besitzurkunde von rund 2700m² zum Notar ins Büro... Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Inzwischen ist unsere Stiftung rechtlich anerkannt und ins Stiftungsregister Perus aufgenommen.

Der Dienst hat bereits begonnen - alles auf ehrenamtlicher Basis. Der Vorstand besteht aus 5 Gründungs- und 5 ernannten Vorstandsmitgliedern. Die Geschäftsführung hat eine junge Rechtsanwältin -auch ehrenamtlich - übernommen. Weitere 40 Personen haben sich eingeschrieben, um mitzumachen.

Der Nöte sind viele, aber als erste Dienste haben wir uns folgende vorgenommen:
· Ein Haus für sexuell missbrauchte Frauen, für Mütter mit Kindern, die unter Gewalttätigkeit leiden
· Dienst in den Gefängnissen vor allem an quechua-sprachigen Gefangenen, die keine Verteidigung haben
· Kleinkredite "zum Überleben" für Familien, die Handarbeiten herstellen oder vom Kleinhandwerk leben.

Unsere lieben Freunde: vielleicht denkt ihr, dass wir uns auf die Arbeit in Bolivien und Chile konzentrieren sollen. Das tun wir auch.
Bei einem Mitarbeitertreffen während meines Bolivienaufenthaltes im August haben wir über den tieferen Sinn unseres Dienstes in den verschiedenen Bereichen unter den Armen nachgedacht und mit großer Begeisterung unsere Erfahrungen zwischen den 35 ehrenamtlichen und festangestellten Mitarbeitern ausgetauscht.
Für drei Wochen waren 29 Pfadfinder aus Luxemburg, Österreich, Deutschland, Argentinien und Bolivien dort, die am Bau der Berufsschule mitgeholfen haben. Trotz aller Schwierigkeiten und Spannungen, sehe ich, dass Bolivien langsam aber sicher wächst.

Zu eurer Freude kann ich euch mitteilen, dass die Dienste hier in Chile z. Z. sehr gut laufen - auch wenn wir große finanzielle Probleme haben. Alle unsere Mitarbeiter sind sich dessen bewusst und tragen die Situation mit. Manchem von euch habe ich schon berichtet, wie schwierig unsere Lage ist, da der Staat in diesem Jahr die zugesagten Subventionen für unsere berufsbildenden Schulen nur mit 3 bis 6-monatiger Verspätung auszahlt und außerdem noch Kürzungen vorgenommen hat. Alle Beschwerden und Verhandlungen mit dem Arbeitsministerium haben fast nichts gebracht, außer der Zusicherung, dass derlei Probleme im Jahr 2004 nicht mehr auftreten werden. Das letzte Gespräch war am 26. September.

Gleichzeitig aber möchte ich mit euch unsere Freude über die jungen Leute aus den Armenvierteln teilen, die wir in einem Beruf ausbilden. Wir können miterleben, wie sie anfangen, ihr Leben, ihre Zukunft und ihre Arbeit in die Hand zu nehmen. Gestern haben wir die 45 Krankpflegeschülerinnen und 13 Krankpflegeschüler ausgesandt, um in den verschiedenen Krankenhäusern von Santiago ihre Praktika zu machen. Eine Welt öffnet sich für sie. Manche vertrauten mir ihre Angst davor an. Sie werden jedoch sehr nahe von unserem Ausbilderteam begleitet und betreut werden. Die staatlichen Prüfungen finden voraussichtlich im Mai nächsten Jahres statt.
Die Krankenpflegeschule ist für die Schülerinnen kostenlos. In den vergangenen Jahren konnten wir mit der Subvention des Staates die Kosten der Schule decken. Jetzt müssen wir feststellen, dass uns dieses Jahr pro Schüler/Schülerin € 1.030,- fehlen.

Nun möchte ich euch fragen, ob ihr uns mit "Stipendien" oder Patenschaften - jeder Beitrag zählt - für unsere KrankenpflegeschülerInnen helfen könnt. Auf Anfrage kann ich euch ihre Namen zuschicken. Ansonsten brauchen wir momentan eine starke solidarische Hilfestellung, um diese Zeit zu überbrücken. Es könnte sogar in Form eines zinslosen Kredites für 5 Monate sein, den wir nach Ablauf zurückbezahlen werden.

Liebe Freunde, ihr könnt euch vorstellen, wie schwer mir fällt, diese letzten Zeilen zu schreiben. Aber sie sollen ein Zeichen des Vertrauens sein.

Immer wieder haben ich und meine Mitarbeiter in all den Jahren unseres Einsatzes Gottes Hilfe und das Wunder der Solidarität erlebt.


Lasst euch herzlich drücken,
eure Karoline

 


"Cristo Vive Europa e.V."

Volksbank-Raiffeisenbank Manching

Kontonummer: 70068BLZ: 72162826


Zur Erinnerung hier noch einmal Bankverbindungen, gebt bitte Namen, Adresse und eventuell den Zweck an.

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