"Wir
alle -jeder von uns ist berufen,
Die Satzung steht!
Unsere lieben Freunde:
Es war ein Traum - und er ist jetzt Wirklichkeit: Am 6.9. hat die "Fundación
Cristo Vive Perú" das Licht der Welt erblickt. Könnt ihr euch
vorstellen, dass an einem Samstagabend um 20:45h nach tagelanger Arbeit bis
in die Nächte hinein und nach intensiven Gesprächen mit den zukünftigen
ehrenamtlichen Mitarbeitern die Satzung von der Notarin Antonieta Ocampo D.
approbiert und die Gründungsakte der Fundación Cristo Vive Perú
unterzeichnet worden ist - und das im Zentrum der Inkastadt Cusco!
Zusammen mit Maruja und unseren beiden peruanischen Freundinnen Anita Maria
und Cristina waren wir für 1 ½ Wochen nach Cusco gegangen, um zu
sehen und auszukundschaften, was wir dort für die Menschen in Not tun könnten.
Auf dem Flughafen hatten uns die Eltern und Geschwister der beiden sowie eine
große Schar von neuen Freunden erwartet, die uns "nach Hause"
brachten.
In den darauffolgenden Tagen lernten wir viele Leute kennen, die schon lange
den Wunsch hegten, eine Organisation für den Dienst an den Armen zu gründen
- Personen verschiedener Berufe und aus unterschiedlichen sozialen Schichten.
Wir sind zu den Armen in Cusco und Umgebung gegangen und haben ihnen zugehört.
Bald sahen wir, dass die neuen Freunde bereit waren, sich ehrenamtlich an der
Arbeit zu beteiligen. Wir hatten einen Entwurf für die Gründung einer
peruanischen Stiftung mitgebracht. Zwei Rechtsanwälte begannen nun, diesen
Entwurf der Satzung zu überarbeiten. Nach mehreren Nächten war die
Satzung so ausgereift, dass wir es wagten, zum Notar zu gehen, um sie überprüfen
zu lassen. Als Gründungskapital hatten wir U$ 650,- zusammenlegen können.
Im Notarbüro gab es keine Einwände zu der Satzung, man informierte
uns jedoch zu unserem Schrecken, dass nach peruanischem Recht zur Gründung
einer Stiftung ein Gebäude oder ein Grundstück erforderlich wäre.
Diese Bedingung sei nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch unumgänglich.
Wir kehrten perplex nach Hause zurück Die Eltern von Anita Maria und Cristina,
die in sehr bescheidenen Verhältnissen leben, aber mit Freude unsere Träume
und die Arbeit an der Satzung begleitet hatten, waren genauso wie wir von dieser
Nachricht betroffen.
Und dann passierte uns etwas Wunderbares. Policarpo, der Vater
von Anita Maria und Cristina, lud uns zu einem Gespräch am Esstisch ein,
bei dem er uns erklärte, dass er bereit sei, uns ein kleines Grundstück
zu schenken. Ich traute meinen Ohren nicht und fragte, ob seine Frau und seine
Kinder damit einverstanden wären, worüber er lachte und mir antwortete,
dass er daran keine Zweifel hätte. Da ich es immer noch nicht glauben konnte,
fragte ich am nächsten Morgen die ganze Familie, ob sie diese Schenkung
nicht irgendwann bereuen würden. Mein Unglaube wurde mit einem kräftigen
Lachen beantwortet. Noch am selben Morgen brachte Policarpo zusammen mit seinem
Sohn Juan die Besitzurkunde von rund 2700m² zum Notar ins Büro...
Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Inzwischen ist unsere Stiftung rechtlich
anerkannt und ins Stiftungsregister Perus aufgenommen.
Der Dienst hat bereits begonnen - alles auf ehrenamtlicher Basis. Der Vorstand
besteht aus 5 Gründungs- und 5 ernannten Vorstandsmitgliedern. Die Geschäftsführung
hat eine junge Rechtsanwältin -auch ehrenamtlich - übernommen. Weitere
40 Personen haben sich eingeschrieben, um mitzumachen.
Der Nöte sind viele, aber als erste Dienste haben wir uns folgende vorgenommen:
· Ein Haus für sexuell missbrauchte Frauen, für Mütter
mit Kindern, die unter Gewalttätigkeit leiden
· Dienst in den Gefängnissen vor allem an quechua-sprachigen Gefangenen,
die keine Verteidigung haben
· Kleinkredite "zum Überleben" für Familien, die
Handarbeiten herstellen oder vom Kleinhandwerk leben.
Unsere lieben Freunde: vielleicht denkt ihr, dass wir uns auf die Arbeit in
Bolivien und Chile konzentrieren sollen. Das tun wir auch.
Bei einem Mitarbeitertreffen während meines Bolivienaufenthaltes im August
haben wir über den tieferen Sinn unseres Dienstes in den verschiedenen
Bereichen unter den Armen nachgedacht und mit großer Begeisterung unsere
Erfahrungen zwischen den 35 ehrenamtlichen und festangestellten Mitarbeitern
ausgetauscht.
Für drei Wochen waren 29 Pfadfinder aus Luxemburg, Österreich, Deutschland,
Argentinien und Bolivien dort, die am Bau der Berufsschule mitgeholfen haben.
Trotz aller Schwierigkeiten und Spannungen, sehe ich, dass Bolivien langsam
aber sicher wächst.
Zu eurer Freude kann ich euch mitteilen, dass die Dienste hier in Chile z. Z.
sehr gut laufen - auch wenn wir große finanzielle Probleme haben. Alle
unsere Mitarbeiter sind sich dessen bewusst und tragen die Situation mit. Manchem
von euch habe ich schon berichtet, wie schwierig unsere Lage ist, da der Staat
in diesem Jahr die zugesagten Subventionen für unsere berufsbildenden Schulen
nur mit 3 bis 6-monatiger Verspätung auszahlt und außerdem noch Kürzungen
vorgenommen hat. Alle Beschwerden und Verhandlungen mit dem Arbeitsministerium
haben fast nichts gebracht, außer der Zusicherung, dass derlei Probleme
im Jahr 2004 nicht mehr auftreten werden. Das letzte Gespräch war am 26.
September.
Gleichzeitig aber möchte ich mit euch unsere Freude über die jungen
Leute aus den Armenvierteln teilen, die wir in einem Beruf ausbilden. Wir können
miterleben, wie sie anfangen, ihr Leben, ihre Zukunft und ihre Arbeit in die
Hand zu nehmen. Gestern haben wir die 45 Krankpflegeschülerinnen und 13
Krankpflegeschüler ausgesandt, um in den verschiedenen Krankenhäusern
von Santiago ihre Praktika zu machen. Eine Welt öffnet sich für sie.
Manche vertrauten mir ihre Angst davor an. Sie werden jedoch sehr nahe von unserem
Ausbilderteam begleitet und betreut werden. Die staatlichen Prüfungen finden
voraussichtlich im Mai nächsten Jahres statt.
Die Krankenpflegeschule ist für die Schülerinnen kostenlos. In den
vergangenen Jahren konnten wir mit der Subvention des Staates die Kosten der
Schule decken. Jetzt müssen wir feststellen, dass uns dieses Jahr pro Schüler/Schülerin
€ 1.030,- fehlen.
Nun möchte ich euch fragen, ob ihr uns mit "Stipendien" oder Patenschaften - jeder Beitrag zählt - für unsere KrankenpflegeschülerInnen helfen könnt. Auf Anfrage kann ich euch ihre Namen zuschicken. Ansonsten brauchen wir momentan eine starke solidarische Hilfestellung, um diese Zeit zu überbrücken. Es könnte sogar in Form eines zinslosen Kredites für 5 Monate sein, den wir nach Ablauf zurückbezahlen werden.
Liebe Freunde, ihr könnt euch vorstellen, wie schwer mir fällt, diese letzten Zeilen zu schreiben. Aber sie sollen ein Zeichen des Vertrauens sein.
Immer wieder haben ich und meine Mitarbeiter in all den Jahren unseres Einsatzes Gottes Hilfe und das Wunder der Solidarität erlebt.
Lasst euch herzlich drücken,
eure Karoline
"Cristo Vive Europa e.V."
Volksbank-Raiffeisenbank Manching
Kontonummer: 70068BLZ: 72162826
Zur Erinnerung hier noch einmal Bankverbindungen, gebt bitte Namen, Adresse
und eventuell den Zweck an.