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NEWSLETTER November2001 |
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Fundación Cristo Vive |
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Seite II |
| Weihnachtsbrief von Schwester Karoline 2001 |
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Die Erde ist Leben |
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Wir Christen haben eine Antwort auf alle Gewalt, auf alles Böse, auf allen Hass und Terrorismus in der Welt: die LIEBE! |
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Lasst uns um sie sorgen! (Aus der Kindertagesstätte Mosoj Muju - Bolivien) |
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Santiago im Advent 2001
Unsere lieben Freunde: Den
heutigen Abend hatte ich mir für euch reserviert, aber jetzt ist
Mitternacht vorbei, und ich komme gerade aus dem Unfallkrankenhaus
zurück, wo Rodrigo schwer verletzt und fast verblutet eingeliefert
worden ist. Vor vier Wochen war der junge Mann nachts zu uns ins
Haus gekommen und hatte um Aufnahme in unser Arbeitslosenprogramm
gebeten, da er aus Drogenhandel und Kriminalität – vor allem
seiner Kinder wegen – aussteigen wollte. Ich musste in jenem
Moment alles prüfen, was er mir an guten Vorsätzen erzählte, weil
ich ihn als äusserst schlauen Kerl kannte und wusste, dass er mit
Drogen an einem Tag mehr verdienen konnte als den Arbeitslohn
unserer Arbeitslosen. Er hatte mich angefleht, mit ihm in unserem
Hauskapellchen zu beten und bat dann selbst Gott, ihm beizustehen.
Wenige Tage später fing er an, Schubkarren bei uns auf dem Bau zu
schieben. Nun war er vor wenigen Stunden von einem ehemaligen
„Kollegen“ niedergemacht worden. Ich
hatte ihm zugeredet, sein neues Leben ohne Waffen zu beginnen...Wenn
Rodrigo überlebt: wird er auf Rache verzichten können? Tränen
fielen auf meine Hände, als ich über ihm betete – ein harter
Kampf tobte in seinem Herzen. All das trifft mich umso tiefer, als
– unserer vielen Gebete und Bemühungen zum Trotz – Drogen und
Gewalt in der Población verheerend zunehmen. Die Polizei erlaubt
sich lächerliche Schüsse in die Luft und wir Nachbarn schauen dem
ganzen Spiel ohnmächtig zu, ähnlich wie dem Krieg in Afghanistan,
wenn Vergleiche überhaupt erlaubt sind. Mehr als 20 jungeLeute
haben wir in den vergangenen Jahren zu Grabe getragen... Liebe
Freunde, wenn ich Euch schreibe, dann ist der Brief nicht das
Produkt einer besinnlichen Stunde, sondern eines langen inneren
Gespräches mit Euch über Dinge, die unsere Herzen bewegen, unserem
Leben Sinn geben und unseren Glauben an die Menschen und an den
„Gott-mit-uns“ bestärken. Ich freue mich immer, wenn ich
Antwort bekomme – auch kritische sind erwünscht!. Ihr
könnt Euch nicht vorstellen, welch ein Trost es für viele Menschen
in unseren Armenvierteln ist, dass Gott uns nahekommen wollte –
und will – in Jesus Christus. Seine frohe, befreiende Botschaft
der Liebe erleuchtet unser Leben in diesen wirren Zeiten: Das ist
Weihnachten. Deshalb
hoffen und kämpfen wir hier weiter mit den Waffen des Friedens und
versuchen gegen Angst, Unsicherheit und Terror alle Kräfte der
Liebe in Bewegung zu setzen durch unseren konkreten Einsatz für die
Menschen in Not: Jede Tat der Liebe bringt ihre Frucht, ist
weiterstrahlende Energie, auch wenn wir sie nicht sehen. In
unseren christlichen Basisgemeinden sinnd wir immer bemüht Jesu
Botschaft ins alltägliche Leben umzusetzen, was manchmal sehr
schwierig ist, wenn es um menschliche Beziehungen geht und konkret
bedeutet: freiwillig auf Ansprüche verzichten, Toleranz üben,
Beleidigungen verzeihen, den zurückgelassenen Schmutz der anderen
beseitigen... Wir sind überzeugt: entweder sind wir Christen in all
unserem Handeln, auch wenn es um Politik, Wirtschaft, Wissenschaft,
Technologie, Kultur und unser gesellschaftliches Lebens geht, oder
wir sind Scheinchristen. Politisch
und wirtschaftlich ist Chile verhäñtnismässig stabil im Vergleich
zu den meisten lateinamerikanischen Ländern, auch wenn es für Arme
noch keine soziale Gertechtigkeit gibt. Die Regierung schien die
wirtschaftliche Krise und die hohe Arbeitslosigkeit grad in den
griff zu kriegen, als der nächste Rückschlag mit den Terrorakten
in den USA kam. Vor sechs Wochen hatten wir, eine Gruppe von
Schwestern und Priestern, die in den Armenvierteln arbeiten, ein
langes persönliches Gespräch mit dem Staatspräsidenten Ricardo
Lagos, weil er „Erdung“ suchte, wie er es nannte. So konnten
wir ihn über die grössten Probleme der armen Leute informieren und
ihn herausfordern, mutiger an Sozialreformen und –programmen
heranzugehen. Nun
möchte ich mit euch einen kurzen Rundgang durch unsere
verschiedenen Dienste machen: In den drei Kindertagesstätten
„Naciente“, „Cristo Vive“ und „Tierra de Niños“ tummeln
sich in diesem Jahr 540 Kinder. Immer mehr wird uns die Bedeutung der erzieherischen Arbeit mit den
Vorschulkindern bewusst, da die meisten von ihnen ein Rucksäckchen
voller Probleme mitbringen. Viele sind sehr agressiv und brauchen
viel Liebe und Zuwendung. Einen wertvollen Beitrag leisten da unsere
Voluntäre und Zivis. Ziel ist weiter, unseren pädagogischen Dienst
zu verbessern und die Mitarbeiterinnen darin fortzubilden. Was die
Finanzierung der drei Kindertagesstätten angeht, wurden sie über
viele Jahre nur von Spenden unterhalten. Nun haben wir es in den vergangenen 10 Jahren geschafft, dass wir
eine staatliche Subvention pro Kind erhalten, die rund 80% der
Unterhaltskosten deckt. Deshalb brauchen wir immer noch Hilfe, bis
wir eine angemessenere Subvention für diesen Dienst aushandeln können. Den Bau der Kindertagesstätte „Tierra
de Niños“ konnten wir heuer nicht in Angriff nehmen, da die
Baupreise enorm gestiegen sind und uns immer noch Mittel fehlen. Wir
haben auch Unterstützung vom Kindermissionswerk (Sternsinger)
beantragt. Unser Gesundheitszentrum Consultorio
CRISTO VIVE betreut eine Bevölkerung von 15.000
eingeschriebenen Leuten. Die meisten von ihnen sind vom Staat als
mittellos eingestuft und erhalten von uns kostenlose medizinische
Versorgung. Dank der Hilfe vom „Komitee Ärzte für die Dritte
Welt“ konnten wir die so notwendigen Medikamente für die Kranken
kaufen. Auch hier kämpfen wir andauernd mit dem
Gesundheitsministerium, das uns als Pilotprojekt betrachtet, dass
die staatliche Subvention erhöht wird. Ebenso verhandeln wir mit
der Stadtgemeinde Recoleta um einen Zuschuss für diesen Dienst. In den beiden Ausbildungsstätten EFPO
und PRISMA konnten wir in
diesem Jahr 720 junge Menschen in einem Beruf ausbilden und ihnen
einen Start ins Leben geben. Zu unserem Erstaunen haben die meisten
von ihnen – trotz der kritischen Arbeitslage – eine Anstellung
gefunden. Die Krankenpflegeschule wächst zu unserer Freude weiter,
so dass es nötig war, zwei Schulräume auszubauen, was mit
Hilfestellung von Chiles
Kinder möglich wurde. Im
Drogen-Reha-Zentrum „Talita Kum“ begleiten wir zur Zeit 25 junge Frauen und Männer
auf ihrem Weg der Befreiung, mit vielen, harten Kämpfen und manch
einer Niederlage. Aber wir freuen uns, dass inzwischen mehrere junge
Leute in ein neues Leben entlassen werden konnten. Wichtig ist dabei
, dass ihre Angehörigen und Freunde, soweit sie welche haben, mit
uns zusammenarbeiten, um Rückfälle zu vermeiden oder um sie
aufzufangen. Liebe
Freunde, Ende November war ich nochmals zusammen mit Schwester
Maruja und Dr. Paul Frings in Bolivien. Konkreter Anlass war die
Einweihung des Gesundheitszentrums, das unsere Freundin Dr.
Annemarie Hofer mit Hilfe von Chiles
Kinder – Luxemburg im Dorf Bella
Vista gebaut hat. Wieder einmal musste ich feststellen, dass das Wachsen der Fundación Cristo
Vive Bolivien nicht zu bremsen ist. Bei
meinem Besuch im August bin ich mit Dr. Annemarie Hofer samstagsfrüh
nach Cuatro Esquinas in den Berghöhen von Tiquipaya (über 4000m)
gefahren. Der spanischsprechende Lehrer der Siedlung begrüsst uns
zusammen mit ein paar wartenden Kranken. Er erklärt uns, dass die
Behandlung gleich beginnen kann, die Gemeinschaftsversammlung, an
der wir teilnehmen wollen, aber erst um 12 Uhr stattfinden werde. Es
soll nämlich eine kleine Krankenstation geplant werden. Dr.
Annemarie beginnt ihren Einsatz in dem einzigen Raum der schmutzigen
Lehmhütte, der während der Woche als Schulraum dient und
verwandelt ihn zusammen mit der Zahnärztin und der
Ketchua-Krankenschwester in ein Sprechzimmer. Da ich überflüssig
bin, habe ich viel Zeit zum Kennenlernen der Leute, die von allen
Seiten, meist nach stundenlangem Weg, ankommen. Ich beobachte und höre
zu, nur wenige sprechen spanisch. Unser Begleiter Carlos unterhält
sich mit den Männern und übersetzt mir ab und zu. Ein behandelter
Patient mit einem Fläschchen Tabletten lässt sich neben uns nieder
und redet mit seinem Nachbarn. Carlos erzählt mir, dass dieser
gerade den andern das Fläschchen zeigt und ihnen erklärt, wie nützlich
dieses für ihn nach der Einnahme des Medikamentes sein wird, da es
ihm für seine Würmer zum Fischen dienen werde. Ich schaue
verstohlen zu ihm hinüber. Er hält das kostbare Fläschchen
vorsichtig in seinen rauhen Händen. Vor meinem inneren Auge ziehen
Berge von leeren Fläschchen vorbei...Gleichzeitig schaue ich mich
nach herumliegendem Plastikabfall, Tüten, Einwegflaschen oder Dosen
um und kann, wenigstens an diesem Ort, nichts von all dem finden. Im Schülerwohnheim Luise wurden während
des ganzen Jahres 34 Ketchuakinder aus den Hochanden betreut. Die
Kindertagesstätte „Mosoj Muju“ (sprich: Mosoch Muchu = neuer Samen), die wir im
August zusammen mit den Luxemburger Pfadfindern eingeweiht haben,
wird bald 70 Vorschulkinder aufnehmen können. Das wird für die Mütter,
die häufig mit den kleinen auf dem Rücken auf dem Feld arbeiten,
eine unvorstellbare Erleichterung und für die Kinder – so hoffen
wir – ein Ort, wo sie glücklich wachsen, spielen und lernen können.
Sie werden sich langsam in die spanische Sprache gewöhnen, die sie
ja für die Schule brauchen. Während
des nächsten Jahres werden wir mit den Aktivitäten des
fertiggestellten „Kulturzentrums“ beginnen, das zunächst für
Schulkinder und Jugendliche gedacht ist, um sie beim Lernen zu
ermutigen und ihnen einen Treffpunkt zu ermöglichen, an dem sie
sich vergnügen können. Ausser einem Fussball-, sowie
Kinderspielplatz und einer Menge Kneipen gibt es nämlich keinen Ort
für die jungen Leute im Dorf. Unsere jüngste bolivianische
Mitschwester Karina schart inzwischen eine Jugendgruppe um sich, die
„Leben in die Bude bringt“. Unsere
Freundin Dr. Annemarie Hofer hat uns im Juli ein Haus („Arca
de Noé“ genannt) in der Stadt Cochabamba geschenkt, in dem
Schwester Nancy mit zwei Postulantinnen und vier Mädchen aus Bella
Vista zusammenlebt, die alle einen Beruf lernen. Am Wochenende gehen
sie meist gemeinsam auf das Dorf, um Gottesdienst zu feiern und
Kinder und Jugendliche auf Erstkommunion und Firmung vorzubereiten.
Schwester Edith Petersen hat indessen, zusammen mit ihrem
Team, die Arbeit in den Gefängnissen Cochabambas weiter ausgebaut.
Während des Jahres widmete sie sich neben anderen Diensten vor
allem dem Aufbau des Zentrums „Vida
Nueva“ in Paracaya (Punata) zur Wiedereingliederung von
Strafentlassenen in Familie, Arbeit und Gesellschaft. Bei meinem Aufenthalt in Bolivien spüre ich jedes Mal, wie Gott durch unsere und eure Liebe den Menschen in Not nahekommen und ihnen seine Güte und Menschenfreundlichkeit offenbaren will. Jetzt, meine lieben Freunde, noch eine kleine Nachricht: am 2. Oktober hat mich der Präsident des chilenischen Senats persönlich zu Hause in Quinta Bella angerufen, um mich mit der Mittteilung zu überraschen, dass das Parlament einstimmig ein Gesetz erlassen hat, das mir die chilenische Staatsbürgerschaft „por especial gracias“ verleiht, ohne die deutsche zu verlieren. Die Mitarbeiter der Fundación Cristo Vive und Andrés Zaldívar, der Senatspräsident, haben daraufhin zu einem ökumenischen Dankgottesdienst eingeladen, den wir mit den vielen langjährigen Mitarbeitern und Freunden aus aller Welt gefeiert haben. Auch der deutsche Botschafter Herr Georg-Clemens Dick und der Botschaftsrat, unser lieber Freund, Herr Dieter Haller mit Frau waren dabei. Nun habt ihr also eine „waschechte“ chilenische Freundin. Natürlich wird hier gewitzelt, dass die Chilenen sich jetzt beeilt haben, damit Bolivien ihnen nicht zuvorkommt. Liebe Freunde, ich möchte euch noch mitteilen, dass wir, Jorge Fernández, Fernando Massad und ich, zum Wochenende 15. bis 17. März 2002 in Duderstadt sein werden. Wir wollen mit vielen von euch über die Gründung der Fundación Cristo Vive – Europa beraten, sowie über die Zukunft unseres Dienstes, unserer Zusammenarbeit und Vernetzung sprechen. Ihr könnt Auskunft einholen bei:
Diese Freunde könnt ihr, bitte, auch benachrichtigen, wenn
ihr keinen Rundbrief wünscht oder gerne mehr Informationen über
unseren Dienst erhalten möchtet. DANKE! Von
neuem möchte ich euch allen im Namen meiner Mitarbeiter danken: für
eure Gebete und für die vielfältige Unterstützung, die wir von
euch erhalten und die unseren Dienst ermöglichen. Ganz besonderen
Dank der Kontaktgruppe! Nun
wünschen wir euch viel Freude und Liebe in dieser Heiligen Nacht
und für jeden Tag des Neuen Jahres! An der Krippe des
menschgewordenen Gottes treffen wir uns wieder. Von Herzen umarmen euch eure |
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