|
|
Fundación Cristo Vive |
![]() |
| Vorwort |
|
Unsere lieben Freunde in Deutschland, Luxemburg, Österreich, Frankreich, Holland und der Schweiz!
Das
2. Vatikanische Konzil (1962/65) hatte viele Bischöfe, Priester und Ordensleute
inspiriert, die Notsituation des “Volkes Gottes” zu sehen, was auf der
2. Lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Medellin 1968 deutlich wurde.
Damals fingen einige Schwestern, Priester und sogar Bischöfe bewusst an,
in Randgebieten zu ziehen, um unter den Armen zu leben. Ich
hatte das Glück, dass mir der Steyler Orden Ende 1969 erlaubte, dem inneren
Ruf zu den Armen zu folgen. Die Nachfolge Jesu erweckte in mir den Wunsch,
im Armenviertel zu leben. Mit Unterstützung des Ordens bauten eine Mitschwester
und ich eine Holzhütte, in der wir 1971 einzogen. In dieser Nachbarschaft
sah ich mich mit unbeschreiblichem Elend konfrontiert, erlebte aber auch
gleichzeitig die Menschwerdung Gottes unter den Armen. Man ist, glaube
ich, nie genügend darauf vorbereitet, dem menschlichen Elend zu begegnen.
Da bleibt nichts anderes übrig, als die eigene Hilflosigkeit anzunehmen
und alle schöpferischen Kräfte der Liebe zu entwickeln, um durchzuhalten.
Geholfen hat mir, dass ich gerade zu dieser Zeit unter den Armen die Christliche
Basisgemeinde als eine Form von Kirche entdeckte, die von den Wurzeln
her wächst und deren Kraft die Herzen und auch die gesellschaftlichen
Strukturen erreichen kann. Mein
persönliches Projekt war es, das Leben der Armen zu teilen, ihnen durch
mein Zeugnis die Frohe Botschaft von Gottes Liebe zu verkünden und mit
ihnen zu arbeiten. Bald begegnete ich P. Luis Chiotti, Ignacio Rodriguez
und Maruja Jofré, mit denen ich bis heute eng zusammenarbeite. Als
1970 mit der Volksküche und
der Kindertagestätte die ersten Dienste entstanden, betrachtete ich diese
als Aufgaben der Christlichen Basisgemeinden. Wenn wir Hilfe brauchten,
gingen wir gemeinsam in die Reichenviertel und zur Caritas, um Lebensmittel,
Geschirr, Baumaterialien und Medikamente zu erbetteln. Nie dachte ich
an Geldspenden. Zwei
Schlüsselerfahrungen haben mich in der Zeit für immer geprägt: Die
erste machte ich, als ich mich mit meinem brennenden Herzen für die Armen
anfangs sehr alleine fühlte. Da Begegnete ich “zufällig” Hildegarde
Haberkorn, der Frau des Direktors der Thomas Morus Schule. Diese fing bald
an, im Armenviertel mitzuarbeiten, und den Kontakt zu den deutschen
Lehrern in Chile zu knüpfen. Mit vielen von ihnen sind wir bis heute eng
verbunden, ihr persönlicher Einsatz für die Menschen hier ist
unvergesslich. Sie haben beim Bau von Kindertagsstätten mitgearbeitet,
gaben Handarbeitsunterricht und haben sogar unterernährte Kinder
monatelang bei sich aufgenommen und aufgepäppelt. Nach ihrer Heimkehr hat
ihr Engagement in Europa weite Kreise gezogen. 1976 entstand in
Deutschland der Verein für unterernährte Kinder Casa Kappeln,
1979 wurde die Kontaktgruppe Comunidad de Jesú gegründet, in den
darauf folgenden Jahren Chiles Kinder albl (Luxemburg), der Freundeskreis
Hannover/Göttingen und der Schweizer Freundeskreis. Immer mehr
Mitarbeiter sind mir „zugewachsen“. Die
zweite Erfahrung war folgende: Einmal
wurde ich von einer Familie mit sieben Kinder, die zur evangelischen Pfingstgemeinde
gehört, verzweifelt um Hilfe gebeten. Ihre Holzhütte sollte versteigert
werden, weil sie während der langen Krankheit des Familienvaters die letzten
acht Raten zur Abzahlung dieser Unterkunft nicht bezahlt hatte. Sie erbaten
von mir die 800 Escudos (ca. 200,- Euro), die sie schuldeten. Entsetzt
über die Not dieser Familie ging ich mit dieser Bitte zur Prokuratorin
meines Klosters. Diese war nicht so einfach bereit, das Geld zu leihen,
da sie schon mancherlei schlechte Erfahrungen mit Bettlern gemacht hatte.
Ich bestand aber auf die Bitte und begründete sie schliesslich damit,
dass meine Mutter, eine treue Spenderin für den Orden, diesen Betrag sofort
bereitstellen würde, wenn sie von dieser Notlage wüsste. Daraufhin erhielt
ich das Geld und verliess glücklich die Prokur. Im gleichen Moment kam
die Oberin aus dem Nebenzimmer und übergab mir einen Brief meiner Mutter.
Ich war so elektrisiert, dass ich den Brief vor ihren Augen aufriss. In
die Hand fielen mir vier Hundertmarkscheine, die ich gleich der Prokuratorin
zurückgab. Von
diesem Augenblick an wusste ich, dass ich mir nie mehr um Geld Sorgen
machen musste, sondern auf Gotttes wunderbare Fügungen vertrauen konnte.
Meine Aufgabe war von da an, mich einfach einzusetzen, manchmal auch zu
kämpfen, damit Gott heute seine Wunder durch die Herzen der Menschen tun
kann. Was
mein Leben betrifft, bin ich in all diesen Jahren in Jesu Nachfolge, im
Dienst der Frohen Botschaft tätig, was früher Missionsarbeit genannt wurde.
Ich arbeite beim Aufbau und der Betreuung Christlicher Basisgemeinden
unter den Armen mit und begleite die Gemeindemitglieder seelsorgerisch.
Es geht dabei um die Durchführung der verschiedenen pastoralen Dienste
wie Katechese für Kinder und Erwachsene, Vorbereitung auf die Sakramente,
Feiern von Gottesdiensten und Beerdigungen, Jugendarbeit, Krankenbesuche,
Begleitung des Pastoralrats der Gemeinde, Bau der Kirche und eines Gemeindehauses.
Neben der kirchlichen Arbeit bin ich mit der Stiftung Cristo Vive
beschäftigt, die für mich Landeplatz des Geistes Gottes im alltäglichen
Leben ist durch die verschiedenen Dienste an den Menschen in Not. So erfahren
diese, dass Gottes Reich – wenn auch nur anfänglich – schon unter ihnen
ist. Deshalb ist es wichtig, dass Arm und Reich sich begegnen. Unser Haus
und die kirchliche Gemeinde sind im Armenviertel ständige Begegnungsorte
für viele Menschen, um sich kennen und lieben zu lernen. So werden Ängste
und Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut. Das Leben in Tuchfühlung unter
den armen Leuten hat mich tief verändert. Das erste Mal in meinem Leben
habe ich die Geschwisterlichkeit und Gleichheit der Kinder Gottes erlebt,
als die Armen das Brot mit mir an ihrem Tisch teilten. Dazu
bin ich während der Jahre Zeugin von wunderbarem, fast unglaublichem Geschehen
geworden, das so provozierend und tief ist, dass es mir manchmal schwer
fällt, davon zu berichten. Zu unserer Freude leisten hochspezialisierte
Ärzte und andere Fachkräfte stundenweise ehrenamtlichen Dienst in unserem
Gesundheitszentrum, der für uns und unsere Kranken unbezahlbar wäre. Aber
neben ihnen gibt es auch eine Gruppe von Freiwilligen aus der Población,
die ihre Talente und Fähigkeiten einsetzen, wie Besabé, deren Mann auf
dem Bau arbeitet und die unauffällig und bescheiden seit fast 20 Jahren
täglich zum Helfen kommt, oder Sonia, die früher Alkoholikerin war und
heute die Arbeit unserer freiwilligen Augenärzte koordiniert, aber auch
am Wochenende Krankenbesuche macht. Diese Freiwilligen wissen, dass sie
in ihren hilfsbedürftigen Nachbarn Christus dienen. Vor
ungefähr sieben Jahren wurde ich zum Zahnarzt Dr. Fernando Muñoz, überwiesen.
Er behandelte mich erfolgreich und gratis, wobei er mich wissen liess,
dass er nicht viel von der Kirche halte, wohl aber an meiner Arbeit interessiert
sei. Vor zweieinhalb Jahren beschloss er, zusammen mit seiner Frau Glenda,
die auch Zahnärztin ist, Freitag vormittags unentgeltlich in unserem Gesundheitszentrum
zu arbeiten. In der Zeit engagierte er unermüdlich weitere ehrenamtliche
Kollegen und erklärte allen, dass er in den Armen Gott begegnet ist. Angesichts
der grossen Zahnprobleme, die die meisten armen Leute haben, konnte er
es in seiner eleganten Zahnarztpraxis in Providencia nicht mehr aushalten
und installierte seinen eigenen Behandlungssessel im Holzhaus unserer
ehemaligen Poliklinik, wo er seit März 2001 die ganze Woche arbeitet. Jorge
Fernandez, Geschäftsführer und Teilhaber einer grossen chilenischen Firma,
bin ich 1989 begegnet. Nachdem seine Frau Nena, Sozialarbeiterin von Beruf,
bald darauf mit uns im Armenviertel zu arbeiten begann, kam er öfter vorbei.
Nach einer Zeit geistlicher Suche entschloss er sich mit 53 Jahren seinem
Herzen zu folgen, seine Stellung niederzulegen – materiell war er reichlich
gesegnet – um bei uns ganztags ehrenamtlich mitzuarbeiten. Seit Anfang
1991 stellt er all sein Wissen, Können und seine Erfahrung in den Dienst
der Armen. Er selbst sagt, dass er damit das rundeste seiner Geschäfte
gemacht hat: am Reich Gottes selbst mitzubauen. Liebe
Freunde, auf dieser Homepgae möchten wir unsere Dienste vorstellen, für
die wir zur Zeit verantwortlich sind. Mehrere unserer früheren Kindertagesstätten,
Polikliniken, Werkstätten etc. Konnten wir Kirchengemeinden oder andere
Organisationen anschliessen oder sogar in die Unabhängigkeit entlassen,
weshalb sie hier nicht aufgezählt werden. Über
mehr als 30 Jahre hinweg haben viele Hunderte Freunde vor Ort selbst mitgearbeitet.
Wir haben grossherzige Spenden in unterschiedlichster Form erhalten. Bewusst
betrachten wir alle Spenden als Besitz der Armen, den wir mit grösster
Treue zusammen mit ihnen und für sie verwalten. Unzählige
private Spender, Unternehmen, Organisationen, Kirchengemeinden und Kindergärten
haben uns beigestanden. Um nicht den Rahmen nicht zu sprengen, können
wir sie jedoch an dieser Stelle nicht nennen. Allen
kleinen und grossen Spendern unseren herzlichen Dank! |